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Review: Torment: Tides of Numenera

Mit Torment: Tides of Numenera gehen die Entwickler von inXile Entertainment den Weg der isometrischen Rollenspiele und hüpfen auf den aktuellen Zug von Obsidians Pillars of Eternity und Larian Studios‚ Divinity: Original Sin. Torment: Tides of Numenera knüpft an Planescape: Torment an und erzählt die Geschichte eines Verstoßenen Milliarden Jahre in der Zukunft. inXile ist bekannt für Wasteland 2 und nutzt die Pillars-Engine von Obsidian auch für Tides of Numenera. Doch wie schlägt sich das Rollenspiel eigentlich?

Vom Wandelnden Gott zum Verstoßenen der Neunten Welt

In Torment: Tides of Numenera geht es um einen Verstoßenen, der von seinem Schöpfer, der Wandelnde Gott, in die Neunte Welt geschickt wurde. Der Wandelnde Gott ist aber auch nur ein Mensch, der den Tod umgeht, indem er sein Bewusstsein von Körper zu Körper trägt. Eben daraus entsteht auch der Verstoßene, in dessen Rolle der Spieler schlüpft. Trotz aber seiner Wandelbarkeit, kreiert er immer stärker werdende Körper, die nach seinem Verlassen ein eigenes Bewusstsein und eine eigene Intelligenz entwickeln. So entwickelte er über die Jahre hunderte solcher Verstoßene und als Resultat seines Körperwandelns wird er nun von einem Wesen gejagt, welches auch als Kummer bekannt ist.

Der Verstoßene wandelt sehr häufig zwischen der Neunten Welt und seinem Geist hin und her. So kommt es häufiger vor, dass der Tod nicht das Ende bedeutet, sondern nur neue Wege eröffnet, die im Geiste erlebt werden können. Dazu gehört auch der Kummer, den der Wandelnde Gott durch seine Fähigkeit hinterlassen hat. In der realen Welt muss jedoch erstmal enträtselt werden, was es mit dem Verstoßenen auf sich hat und der Hauptgeschichte gefolgt werden.

An dieser Stelle sei schon gewarnt, dass das Spiel zwar eine Vertonung einiger Dialoge bietet, jedoch der größte Teil lesen bedeutet.

Nano, Jack oder Glaive? Welcher Charakter darf es sein?

Genau hier kommt der Spieler ins Spiel und kreiert erstmal in einem Abschnitt seinen eigenen Charakter. Die Charaktererstellung durchläuft einige Erinnerungsstücke, an die sich der Verstoßene zu erinnern versucht. Das Ganze wird unterstützt von einige Tutorials, an die sich der Spieler entlang hangeln kann, um zu verstehen, wie die Menüstruktur in Gesprächen funktioniert. Dazu gehört die Anstrengung von Macht-, Geschwindigkeits- und Intellekt-Werte-Pools. Je mehr Punkte hier eingesetzt werden, desto höher ist die Chance ein Gespräch in die Richtung des Verstoßenen zu führen, jemanden mit der Meinung des Verstoßenen zu überzeugen oder auch Konflikten zu entgehen.

Sobald die ersten Erinnerungen durchlebt wurden, wird der Verstoßene vor eine Auswahl von Spiegelbildern geführt, für den er sich entscheiden kann. Die Entscheidung kann so angenommen werden, aber Spieler bekommen die Möglichkeit den Charakter nochmal selbst zu formen und die Vorauswahl zu übergehen. Dazu gehört auch eine Wahl der Klasse, die ein Verstoßener werden kann. Dabei kann sich der Spieler entscheiden, ob er die magische Klasse Nano, die Allrounder-Klasse Jack oder als kriegerischer Glaive spielen möchte.

Umfangreiche Nebenaufgaben und tiefgründige Charaktere

Immer wieder wird der Verstoßene auf Nebenaufgaben treffen, die auf unterschiedliche Arten und Weisen gelöst werden können. Gerade das macht Torment: Tides of Numenera praktisch aus. Die Nebenaufgaben sind jeweils unterschiedlich gestaltet, sodass es nicht langweilig wird. Jede Nebenaufgabe hat zudem seine eigene Hintergrundgeschichte. Sei es nun von den Charakteren, die den Verstoßenen begleiten oder von anderen NPCs.

Ein gutes Beispiel hierfür ist eine Aufgabe von Tybir, einem ehemaligen Soldaten in Circus Minor, der seinen Freund aus der Schlinge helfen möchte. Um diese Aufgabe zu lösen, gibt es mehrere Wege. Er schließt sich auch der Gruppe des Verstoßenen an, um die Nebenaufgabe mit ihm gemeinsam zu bewältigen. Dazu kann sich nun der Spieler aussuchen, ob er diese Aufgabe auf die Art von Tybir lösen möchte oder gleich zum Protest der Umgebung aufruft, um seinen Freund zu befreien. Egal, wie der Verstoßene die Aufgabe löst, es gibt immer wieder unterschiedliche Arten von Gegenständen, Erfahrungspunkten und Wandlungen der Hauptgeschichte. Schließlich hat jede Entscheidung in Torment: Tides of Numenera seine Konsequenz.

Ebenso wie die Nebenaufgaben sind auch die Charaktere neben dem Verstoßenen durchaus interessant gestaltet. Jeder Nebencharakter hat seine eigene Geschichte, die er dem Spieler mitteilen möchte. Es ist aber nicht immer einfach jedem Charakter seine Geschichte zu entlocken. Bei einigen Charakteren lassen sich auch weitere Nebenaufgaben herauskitzeln, wenn sie dem Verstoßenen genug vertrauen.

Rundenbasiertes Kampfsystem mit Werte-Pools

Das Kampfsystem in Torment: Tides of Numenera nennt sich Notlage. Vielerlei Notlagen lassen sich durch Dialoge umgehen. Wer trotzdem in eine gerät, der bekommt ein rundenbasiertes System geboten. Bereits am Anfang des Spiels gelangt der Spieler in eine solche Notlage, um zu verstehen, wie sie funktioniert. Es gibt dabei die Chance nicht nur zu kämpfen, sondern es ist möglich sich auch aus der Notlage herauszureden. Auch kann die Umgebung mit in den Kampf einfließen oder sich sogar wegschleichen. Entsprechend gibt es auch Erfahrungspunkte und Levelaufstiege bei erfolgreichem Abschluss.

Bei Levelaufstieg können Punkte dem jeweiligen Charakter und dem Verstoßenen verteilt werden, die die Pools verbessern oder neue Fertigkeiten freischalten, die im Kampf genutzt werden können. Die Entscheidung liegt hier ganz beim Spieler, wie sich das Spiel entwickelt.

In einer Notlage haben Spieler jederzeit die Möglichkeit zu schauen, wann sie als nächstes dran sind. Sobald ein Charakter dran ist, kann er sich zum einen bewegen und zum anderen Aktionen ausführen. Dazu gehört nicht nur ein simpler Schlag auf den Gegner, sondern auch Fähigkeiten. Die Fertigkeiten erfordern nicht nur Aktion, sondern auch bei größerem Erfolg Macht-, Geschwindigkeits- oder Intellekt-Punkte. Das gilt also nicht nur für die Dialoge an sich, sondern auch in den Kämpfen. Die Punkte, die Spieler verbrauchen, können zu erfolgreicheren Aktionen führen. Außerdem können andere Charaktere dem Verstoßenen im Kampf beistehen und nicht nur die eigene Party.

Fazit zu Torment: Tides of Numenera

Wer sich auf Torment: Tides of Numenera einlässt, dem wird erzählerisch sehr viel geboten und wird auch Spaß haben. Nicht nur die Hauptgeschichte bietet Abwechslung, sondern auch die Nebenaufgaben sind in sich geschlossene Geschichten, die bei jedem Durchspielen anders gelöst werden. So entsteht prinzipiell eine Geschichte, die für den Spieler gemacht ist und die jeder individuell erlebt. Genau das macht auch den hohen Wiederspielwert von Tides of Numenera aus. Beim nächsten Durchspielen möchte ich als Spieler die Geschichte anders erleben, als ich es beim ersten Mal getan habe.

Dennoch kommt Torment: Tides of Numenera mit einer eher durchschnittlichen Grafikleistung daher, sodass aber auch Computer, die nicht gerade aus 2016 oder 2017 sind, das Spiel zum Laufen bringen können. Dennoch hat inXile hier eher abgespeckt und die Story in den Vordergrund gestellt. Das rundenbasierte Kampfsystem ist an sich auch nicht sonderlich neu, unterstützt aber den Tabletop-Gedanken der Planescape-Geschichte aus der Neunten Welt. Alles in allem ist Torment: Tides of Numenera ein gelungenes isometrisches Rollenspiel, in das ich gerne eingetaucht bin. Wer also mit dem Divinity- und dem Pillars-Franchises etwas anfangen kann, dem wird in Torment: Tides of Numenera genau ein ebenbürdiges Erlebnis geboten.

Torment: Tides of Numenera wurde für den PC mit Xbox One-Controller getestet.

Artikelbild & Screenshots: inXile Entertainment/Techland

Fazit zu Torment: Tides of Numenera

Wer sich auf die Story einlässt, dem wird sehr viel geboten - 100%
Umfangreiche Nebenaufgaben mit eigenständigen Geschichten - 95%
Entscheidungen haben spürbare Konsequenzen - 90%
Hoher Wiederspielwert - 90%
Rundenbasiertes Kampfsystem mit Einfluss von Werte-Pools - 75%
Grafik und Effekte sind eher mittelmäßig dargestellt - 50%

83%

Großartig

Wer sich auf Torment: Tides of Numenera einlässt, dem wird erzählerisch sehr viel geboten und wird auch Spaß haben. Nicht nur die Hauptgeschichte bietet Abwechslung, sondern auch die Nebenaufgaben sind in sich geschlossene Geschichten, die bei jedem Durchspielen anders gelöst werden. So entsteht prinzipiell eine Geschichte, die für den Spieler gemacht ist und die jeder individuell erlebt. Genau das macht auch den hohen Wiederspielwert von Tides of Numenera aus. Beim nächsten Durchspielen möchte ich als Spieler die Geschichte anders erleben, als ich es beim ersten Mal getan habe.

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Über Chris Heinen

Hey, ich bin Chris und studiere derzeit Technikjournalismus/PR in Sankt Augustin. Interessiert bin ich an journalistischen Themen schon seitdem ich redaktionelle Erfahrungen sammeln konnte in der Games-Branche. Mit Games-relevanten Themen schreibe ich gemeinsam mit Lukas auf int.ent news.

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