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Mosaic: Review

Der ständige Krampf auf dem Weg zur Arbeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln einer Großstadt. Ein monotoner, sinnlos erscheinender Job. Wer sich in diesen Aussagen wiederfindet, dem geht es vielleicht so wie dem Protagonisten von Krillbites und Raw Furys neuem Adventure Mosaic.

Und täglich grüßt das Murmeltier

In Mosaic schlüpfen Spieler in die Rolle eines namenlosen Protagonisten, der jeden Tag ohne Motivation aufsteht, sich umgeben von etlichen anderen Menschen zur Arbeit begibt und am Ende des Tages erschöpft in sein Bett zurückkehrt. Er ist völlig gefangen im Alltagstrott, bis er eines Tages einen sprechenden Goldfisch in seinem Waschbecken entdeckt und ihn einsteckt. Der Goldfisch zeigt ihm, dass es abseits der tristen Großstadtfassaden auch noch schöne Aspekte im Leben gibt. Ziel ist es fortan, einen Ausweg aus der Monotonie zu finden.

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Mosaic ist mehr Walking-Simulator als Spiel. Außer den Protagonisten mit dem Analog-Stick zu bewegen und vereinzelt eine Taste zu drücken, muss der Spieler nichts tun. Dem Spiel ist schnell anzumerken, dass es auch gar nichts anderes sein möchte, als eine künstlerische Erfahrung. Schließlich hat bei der Entwicklung auch die norwegische Filmakademie mitgewirkt.

Mehr, immer mehr!

Mosaic baut viele Elemente ein, die auch im realen Großstadtalltag nerven. Da wären die U-Bahnmitfahrer, die sich lieber mit ihrem Handy beschäftigen, als mit anderen Menschen. Oder aber Bauarbeiten und volle Straßen. Auch der Protagonist des Spiels hat ein Handy. Damit lassen sich deprimierende Apps nutzen, beispielsweise eine Art Tinder oder ein sinnlos wirkendes Spiel. Immer wieder bekommt der Arbeiter Nachrichten, dass er zu spät kommt oder nicht effizient genug ist.

Dabei erscheint auch der Job dem Protagonisten sinnlos. Es geht darum, innerhalb eines Datennetzes Blockverbindungen in eine gewisse Höhe zu bauen. Dabei steht alles unter dem Motto, möglichst effizient zu sein und immer mehr Verbindungen zu schaffen. Die Steuerung dieses Minispiels ist simpel, sorgt tatsächlich aber für Abwechslung und nimmt rund ein Drittel der Gesamtspielzeit ein. Diese liegt bei rund drei Stunden.

Depression, Burnout und die Schattenseiten der Urbanität stellt das Spiel sehr authentisch dar. Auch das Design, mit seinen konturenlosen Protagonisten und die Stadt, die laut dem Entwickler an ein futuristisches Oslo angelegt ist, passen zum Thema. Allerdings wurde hier auch kräftig Potenzial verschenkt. Viele spannende Fragen, die das Spiel aufbaut, bleiben am Ende unbeantwortet. Auch hätten ein paar mehr spielerische Interaktionsmöglichkeiten nicht geschadet. Und von den durchaus gelungenen Spiegeln der heutigen Gesellschaft, wie fragwürdigen Börsen- oder Datingapps, hätten es auch ein paar mehr sein können.

Fazit: Eine Karikatur der Monotonie, aber eine Erfahrung

Spielerisch bietet Mosaic einen Hauch von Nichts. Darum geht es Mosaic aber auch nicht. Man muss sich schon auf diese Art von Spiel einlassen können, um damit Spaß zu haben. Mosaic ist ruhig, ohne große Überraschungen. Auch erzählerisch reißt es keine Bäume aus. Sound, Grafik und der Fortgang der Handlung spiegeln aber sehr gut, womit viele Menschen in Großstädten oder einfach monotonen Jobs heute kämpfen: Isolation und Depression. So satirisch, wie das Spiel eine Leistungsgesellschaft darstellt, musste ich an der einen oder anderen Stelle lachen.

So habe ich mich während der drei Stunden auch nicht gelangweilt. In meinen Augen haben solche Spielerfahrungen durchaus ihre Existenzberechtigung, insbesondere, wenn sie mit oft totgeschwiegenen Themen wie Depressionen oder den dunklen Seiten des Großstadtlebens sensibel umgehen. Hierbei ist es sehr positiv, dass Mosaic nicht nur den Alltagstrott eines depressiven Arbeiters darstellt, sondern auch zeigt, dass es einen positiven Ausweg aus dieser Existenz gibt. Mosaic ist somit eine kurze, aber durchaus stimmige Spieleerfahrung.

Mosaic ist bereits für Xbox One, Playstation 4, PC, Nintendo Switch, Linux und Mac OS erhältlich. Getestet wurde das Spiel mit einem von Raw Fury bereitgestellten Key auf der Xbox One S. Artikelbild, Screenshots und Trailer: Raw Fury.

Über Jan Drescher

Hi, ich bin Jan und studiere momentan Russisch und Schwedisch. Schreiben ist seit meiner Kindheit meine große Leidenschaft. Während sich das sonst eher im Verfassen von Romanen äußert, gehe ich an dieser Stelle meinem Videospiel-Enthusiasmus nach und schreibe zusammen mit Chris, Lukas und Maik über Gaming-relevante Themen.

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