Shenmue III Cover

Shenmue III: Review: Das wohlverdiente Ende eines Epos

In Shenmue III endet die Saga um Ryo Hazuki und den mysteriösen Phönix-und Drachen-Spiegel. Nachdem Lan Di Ryo’s Vater getötet hat, sinnt er auf Rache und verfolgt Lan Di bis nach China.

Ein Stück Geschichte

Shenmue III ist bereits für PlayStation 4, PC und Xbox One erhältlich.

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Nachdem Shenmue II mit einem fiesem Cliffhanger geendet war, mussten Fans der Serie 18 Jahre lang auf das Ende der Trilogie warten. Über Kickstarter hat Ys Net fast 6,5 Millionen Dollar gesammelt, um Shenmue III zu finanzieren.

Dabei begann die Reise von Ryo Hazuki bereits 1999 auf der Sega Dreamcast. In den ersten beiden Spielen setzte Direktor Yu Suzuki schon damals Elemente wie eine offene Spielwelt und viele verschiedene Tätigkeiten und Nebenmissionen um, die heute zum Standard für eine Vielzahl von Spielen gehört.

Mit Ryo konnte der Spieler Mini-Jobs bestreiten, in Acrades das verdiente Geld verprassen oder sich im Glückspiel versuchen. Außerdem waren schon damals fast alle Charaktere vertont und hatten unterschiedliche Tagesabläufe.

Auch waren damals bereits ein Tag-und-Nacht-Zyklus eingebaut, sowie unterschiedliche Aktivitäten zu unterschiedlichen Uhrzeiten.

Nachdem Lan Di Ryo in China entkommen war, jagt Ryo ihn bis zu dem Dorf Gullin, wo er einem Mädchen namens Shenuha begegnet. Shenmue III knüpft nahtlos am Ende von Shenmue II an.

In der Zeit stehen geblieben

Natürlich ist nicht alles in der Zeit von vor fast 20 Jahren stehen geblieben. Die Grafik in Shenmue III besticht durch klar und farbenprächtige Bilder. Weiter ist die Landschaft um das kleine Dörfchen Gullin wunderschön detailreich, mit allen möglichen Kleinigkeiten, die der Spieler entdecken kann.

Ryo kann beispielsweise wieder altbekannte, aber auch neue Glücksspiele spielen. Weiter kann er wieder Kapsel-Figuren sammeln und so weiter. Damit er das ganze bezahlen kann, kann Ryo Geld verdienen durch zum Beispiel Holz hacken, oder durch das Verkaufen von Kräuter.

Außerdem ist neu, dass Ryo auch essen muss, um seine Energie zu erhalten. Denn wenn Ryo sich zu viel bewegt, trainiert oder kämpft geht ihm die Energie aus und er wird ohnmächtig.

Leider ist das ganze nicht bis zum Ende durchdacht. Denn Ryo kann nicht etwa kochen oder sich fertige Mahlzeiten kaufen. An vielen Ecken kann Ryo Gemüse oder Medizin kaufen, die ihm Energie bringen. Als Beispiel wären da Knoblauchknollen oder Tausendfüßler-Pilze.

Mir persönlich tut der arme Ryo leid, dass er nur die ganze Zeit einzelne ungekochte Gemüse-Sorten essen darf. Auch die Leute die er befragt, müssen sich bestimmt vor seinem Mundgeruch in Acht nehmen.

Detektiv Hazuki

Um Lan Di zu finden, muss Ryo zunächst Shenhuas’s Vater finden. Jedoch gestaltet das ganze sich nicht sehr einfach. Denn Shenhua’s Vater ist ein Steinmetz und diese werden im Dorf Gullin gerade alle von einer Schläger-Truppe ausgequetscht und nach dem Phönix-Spiegel befragt.

So muss Ryo nun versuchen eine Spur zu den Schlägern zu finden, die ihn zu Shenhua’s Vater führen könnte. Dabei fragt Ryo sich klassisch in Shenmue Stil bei allen möglichen Leuten durch und sammelt Hinweise.

Hin und wieder muss Ryo die ein oder andere Aufgabe erfüllen, wie ein Glückspiel gewinnen, einen Kampf bestreiten oder Kinder im Versteckspiel zu finden. Jedoch wird der Spieler dabei immer von A nach B nach Z wieder zu A nach B und so weiter geschickt.

Das ganze wäre auch nicht so anstrengend, wenn von Anfang an alle Wege gleich freigeschaltet werden. Jedoch weigert sich Ryo manchmal den offensichtlichen Weg zu nehmen, da das Spiel dies nicht zulässt. So muss der Spieler Umweg um Umweg laufen, um später alle Wege freizuschalten und sich so schneller fortbewegen zu können.

Immerhin kann Ryo nun durch ein neues Feature zu einem gewissen Punkt springen, wenn zum Beispiel eine wichtige Person, die er befragen will, gerade nicht da ist. Das ganze ist auch freiwillig, also kann der Spieler in der Zeit auch etwas anderes tun oder gleich zu den nächsten Story-Punkt springen. Eine sehr gute Entwicklung, da in den älteren Spielen oftmals die Zeit irgendwie umgehen musste.

Kleine Macken und Kanten

Jedoch muss ich selbst bei all dem Lob auch etwas Kritik aussprechen. Denn Ryo bewegt sich zwar sehr viel flüssiger als in den vorherigen Spielen (Gott sei Dank!), aber bleibt oftmals auch noch an Stellen mit vielen Gegenständen oder Personen hängen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Dialoge. Denn diese sind manchmal ganz schön hölzern. Ein Beispiel gefälligst? „Das da ist das Dorf Bailu!“. „Ah ich verstehe“. Zwei Minuten später. “ Ist dass das Dorf Bailu?“. „Ja das ist das Dorf Bailu“. Ganz schön anstregend. Aber solche Dialoge sind glücklicherweise die Ausnahme und werden von sehr gut geschriebenen Dialogen klar übertroffen.

Auch blöd ist, dass die meisten Cutscenes nicht übersprungen werden können. Ebenso Dialoge mit Händlern oder andere Personen können höchstens abgekürzt werden. Die Cutscenes sind zwar interessant, können aber nicht übersprungen werden, wenn man ein paar Mal von den gleichen Schlägern besiegt worden ist. Also muss der Spieler sich diese immer wieder anschauen.

Diese ganzen Kritiken sind aber Meckern auf hohem Niveau. Es wären Kleinigkeiten, die schöner gewesen wären. Jedoch tut das ganze dem Spiel keinerlei Abbruch.

Kung-Fu und Kämpfe

Die Kämpfe in Shenmue sind neben der Story ganz klar das Highlight des Spiels. Die Techniken und Kampf-Stile, die in Shenmue III benutzt werden entsprechen die der Realität. Es gibt keinerlei übertriebene Kampfkunst, oder überzogene Meister.

Für mich ist dabei als Kampfsportler dieser Realismus ein ganz klarer Pluspunkt. Weiter ist die Steuerung in den Kämpfen angepasst worden, so dass Ryo nun auch blocken kann. Außerdem hat nun jede seiner Extrimitäten eine eigene Taste. So kann man sich leicht merken, dass die X-Taste beispielsweise das rechte Bein ist und so weiter.

Die Kämpfe sind fordernd und selbst auf normal nicht ganz einfach. Der Spieler muss seinen Gegner genau beobachten und seine Angriffe, Blocke und das Ausweichen timen. Selbst wenn ein Gegner zu stark ist, kann Ryo immer noch Trainieren und Sparren, um sein Kung-Fu zu verbessern.

So bekommt das ganze einen wirklich guten Ansatz an wirkliche Kampfkunst. Jedoch ist der Einstieg in die Kämpfe nicht ganz einfach und selbst die leichten Gegner auf Normal benötigen Training.

Wer also einen schnellen Durchlauf versuchen möchte, sollte die leichte Schwierigkeit wählen. Ab Schwer ist jeder einzelne Kampf eine Herausforderung. Gerade wenn Ryo gegen mehrere Gegner auf einmal kämpfen muss.

Fazit zu Shenmue III

Shenmue III knüpft an seine Vorgänger an. Dabei meine ich, dass der Charme der Vergangenheit immer noch zu spüren ist. Über die kleinen Kritiken mal hinweg gesehen, macht Shenmue III aber auch alles nochmal ein bisschen größer und besser.

Ich habe Stunden damit verbracht, zu trainieren und gegen Mönche zu sparren. Außerdem bin ich mir sicher, dass ich immer noch nicht alle Tätigkeiten, Mini-Games und Jobs ausprobiert habe. Neben diesen ganzen warten auch noch jede Menge Easter Eggs und Geheimnisse auf den Spieler, welche ich auch noch suchen muss.

Der Einstig in Shenmue kann für Neulinge schwer fallen, jedoch glaube ich, dass auch mit den Spielen unerfahrene Leute sehr schnell Gefallen an den Karateka finden werden.

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass Shenmue III zwar kleinere Macken hat, aber meine Erwartungen an das Ende von Ryo’s Geschichte bei weitem übertroffen hat.

Shenmue III wurde mit einem Code und einem Musterexemplar, bereitgestellt von Koch Media, auf der PlayStation 4 getestet.

Artikelbild, Screenshots & Video: Ys Net & Deep Silver.

About Maik Gasse

Hi mein Name ist Maik, zur Zeit Maschinenbau Student in Köln Als leidenschaftlicher Zocker und gelegentlicher Hobby-Schreiber verfasse ich hier auf in-ent.de zusammen mit Chris und Lukas Gaming-relevante Artikel.

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