Railroad Corporation | Review

Railroad Corporation | Review

In Railroad Corporation von Corbie Games und Iceberg Interactive schlüpft der Spieler in die Rolle eines Eisenbahn Managers, der sein Unternehmen in neuen Regionen repräsentiert. Railroad Corporation hat am 18. November 2019 den Early Access verlassen.

Vom kleinen Lieferanten zum Monopol Logistiker

In Railroad Corporation beginnt der Spieler als unerfahrener Manager und soll für den Geschäftsführer des Betriebs eine neue Niederlassung wirtschaftlich machen. Dafür gibt es Hauptaufgaben, um die Unternehmensziele zu erreichen.

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Das Spiel ist in einzelne Kapitel und Level unterteilt, die der Spieler durch das Erledigen aller Hauptaufgaben abschließt. Während des ersten Kapitels werden mit jedem neuen Level neue Spielmechaniken und Lokomotiven freigeschaltet. Dadurch gewöhnt sich der Spieler Stück für Stück an die Komplexität.

Railroad Corporation | Review

Zu Beginn eines jeden Levels in Railroad Corporation startet mit in einer Stadt mit dem Firmensitz einem Bahnhof und angeschlossenem Werk für neue Lokomotiven. Vom Bahnhof aus kann der Spieler Gleise legen und neue Städte an das Netzwerk anschließen.

Die Gleise kann der Spieler hierbei entweder automatisch per Pfadsuche oder händisch verlegen. Je nach Winkel der Gleiskurven gibt es eine maximale Geschwindigkeit. Die Bahnen können dann mit bis zu 120 km/h fahren. Die ersten Lokomotiven kommen von ihrer Leistung aber nicht ansatzweise an diese Geschwindigkeit dran.

Der automatische Modus macht in der Regel aber sehr große Kurven, was mehr Kosten produziert und sich aus meiner Sicht daher nur selten lohnt. Problematisch beim Selberlegen ist aber, dass wenige Pixel in die ein oder andere Richtung starke Änderung an dem ausgewählten Gleisstück haben können und es viel flackert. Richtig genau ist man also selbst im händischen Modus nicht.

Während des zweiten Levels konnte ich zudem Spuren übereinander legen, sodass sich Züge gekreuzt haben. Dieser Bug war einen Tag später jedoch bereits behoben, sollte also nicht im fertigen Spiel mehr enthalten sein.

Etwas nervig zum Beginn ist, dass man sehr schnell pleite geht. Sobald man im Minus ist verliert man jeden Tag etwas Geld in Form von Zinsen. Sobald der Spieler 50.000 US-Dollar im Minus steht ist das Spiel vorbei. Da Zinsen prozentual zum geliehenen Geld immer mehr wachsen, bin ich mehrfach durch eine kleine Anleihe von um die 10.000 US-Dollar sofort in die Insolvenz gefahren, da ich nicht schnell genug Geld verdienen konnte. Railroad Corporation zwingt einen also zu Beginn mit dem Geld haus zuhalten.

Vom Getreidehalm zum Whisky

Sobald zwei Bahnhöfe miteinander verbunden sind, kann der Spieler eine Lokomotive kaufen und zwischen den Bahnhöfen einsetzen. Städte haben immer Bedarf und Waren. Die Waren bestimmt, mit Ausnahme von Post und Passagieren, die produzierenden Gebäude in der Stadtfläche. Der Bedarf einer Stadt hängt von der Einwohnerzahl ab und startet bei Rohmaterialien bis hin zu Luxusgütern.

Jede Bahn hat eine maximale Zuglast in Railroad Corporation und jedes Gut ein Gewicht. Zudem sind beladene Züge langsamer. Die maximale Beladung und das Tempo hängt einerseits von der Zugklasse ab. Weiter kann der Spieler diese aber auch durch Forschung verbessern.

Um höherwertige Güter herzustellen, muss der Spieler Rohstoffe mit einer Lok kaufen und zu einem verarbeitenden Werk schaffen. Als Beispiel kann er Korn von Feldern kaufen. Dieses verkauft er dann an eine Whisky Destille. Der Spieler wird also nicht für den Transport bezahlt, sondern übernimmt selbst die Kosten der Güter und regelt den Weiterverkauf.

Statt die Rohstoffe zu kaufen, kann der Spieler auch alle Gebäude kaufen. Statt Einkaufspreise pro Rohstoff muss der Spieler einen einmaligen Kaufpreis, sowie monatliche Kosten für den Betrieb zahlen. Jedoch ist das mittelfristig billiger, als die Rohstoffe einzeln zu kaufen. Verarbeitende Werke können auch gekauft werden. Dabei erhält man aber kein Geld mehr für das Beliefern mit Rohstoffen. Dafür zahlt der Spieler aber auch nicht den viel höheren Preis der erzeugten Güter, auf die sich die Großstädte so freuen.

Der Zahn der Zeit

Bahnen verschleißen durch ihre Benutzung, wodurch es zu Ausfällen kommen kann. Bleibt eine Bahn liegen, kann das Gleis von keiner weiteren Bahn genutzt werden. Dann muss der Spieler die Lokomotive vor Ort reparieren. Das dauert sehr lange und bedeutet ein hohes Verlustgeschäft.

Stattdessen kann der Spieler Bahnhöfe ausbauen und den dadurch geschaffenen Raum für eine Werkstatt benutzen. Der Zustand einer Lok kann über ihre Farbe in der Übersicht aller Züge gesehen werden. Hält die Bahn regulär bei einem Bahnhof mit Werkstatt, kann er eine Reparatur angeordnen.

Mit der Zeit verschleißt die Bahn jedoch nicht nur, sondern verliert allgemein an Qualität, da das Material ermüdet. Dadurch kann selbst mit einer Reparatur nicht mehr der volle Zustand hergestellt werden. Dadurch verringern sich die Abstände zwischen den Werkstattbesuchen. Wenn die Bahn häufiger in der Werkstatt steht als Lieferungen zu transportieren, kann der Spieler den Schrotthaufen verkaufen und durch einen Neukauf ersetzten.

Ich finde die Materialermüdung ein super Konzept. In sämtlichen Logistik Spielen, die ich bisher gespielt habe gab es zwar Ausfälle, die auch mit dem alter des Geräts mehr wurden, aber die Kombination von Haltbarkeit und Alter ist wirklich gut. Eine einmal eingesetzte Bahn fährt also nicht ewig die selbe Strecke, sondern muss immer wieder gewartet werden und nach einigen Jahren ausgetauscht werden.

Forsche was das Zeug hält

Das Kernstück eines funktionierenden Unternehmen sind zuverlässige und hochmoderne Züge. Um immer die neusten Modelle zu haben, baut der Spieler in seinem Firmensitz ein Forschungszentrum. Dadurch stehen anfangs zehn Forscher und durch die zwei Ausbaustufen weitere zehn zur Verfügung.

Forscher können neben neuen Lokomotiven auch Verbesserungen für den bestehenden Fuhrpark erforschen. Durch den Kauf einer Forschung fängt automatisch ein Forscher mit der Lösung des Problems an. Die noch freien Forscher können allen aktiven Forschungen zugewiesen werden, um die Geschwindigkeit zu erhöhen.

Erfahrung sammeln für die nächste Schlacht

Ein Level ist beendet, sobald alle Hauptaufgaben erfüllt wurden. Doch gibt es auch optionale Aufgaben. Durch das Erfüllen der Nebenaufgaben erhält der Spieler Erfahrungspunkte. Diese kann der Spieler nach dem Level für Verbesserungen ausgegeben. Durch diese Verbesserungen reduziert er beispielsweise die Kosten von neuen Lokomotiven. Außerdem erhöht das die maximale Lebensdauer Prozentual.

Zusammenfassung

Ich hab einen echt großen Spaß mit Railroad Corporation gehabt. Mir bereitet es Spaß, Rohstoffe in Produktionsketten miteinander zu verbinden und die fertigen Güter zu verkaufen. Die Dauer der einzelnen Level liegt bei 30 Minuten bis zu 3 Stunden. Später, durch die Komplexität und den vielen Nebenaufgaben, eher die 3 Stunden.

Ich finde es richtig gut, dass man mit jedem Level langsam weiter an die Komplexität geführt wird und nicht sofort mit allen Gebäuden, Fahrzeugarten und Produktionsstätten erschlagen wird.

Was mir einerseits gefällt, mich aber auch ein zwei Male echt genervt hat ist das niedrige Startkapital und die schnelle Insolvenz. Wenn man 50.000 US-Dollar im Minus steht ist das Spiel sofort vorbei. Das ist gerade zu Beginn des Spiels mit einer Strecke und einer Bahn. Also wirklich schnell erreicht. Um den Gegenwert zu erwirtschaften muss der Spieler anfangs mit einer einzigen Lok viele Runden fahren. Das macht den Start zäher als nötig. Dafür hat man nach hinten raus so viele Millionen, dass Geld keine Rolle mehr spielt.

So sehr mich dieses plötzliche Game Over nervt, ist es aber ein interessanter Aufhänger. Denn dann muss der Spieler auf seine Güter aufpassen. Ich habe beispielsweise einmal Textilien für eine Nebenaufgabe an eine Stadt geliefert und die Textilien dem Werk abgekauft. Da es aber eine Nebenaufgabe und kein Bedarf der Stadt war, habe ich kein Geld sondern Erfahrungspunkte erhalten und bin pleite gegangen.

Aus dem Gedanken, ein perfektes Bahnnetz aufbauen zu wollen, finde ich es schade, dass der Weicheneditor sehr rudimentär ist. Es gibt keine Signale oder fest definierte Weichen. Weichen entstehen, in dem man im Schienen-Modus auf ein schon gelegtes Gleis klickt. Danach muss der Spieler die Maus in eine Richtung, abweichend der bestehenden Gleise, ziehen. Dabei hat der Spieler nicht die vollständige Kontrolle über die Art der Weiche und der nächsten Kurve. Dadurch kann der Spieler schnell 12 km/h, die langsamsten Strecken, erzeugen.

Durch das Fehlen von Signalen muss der Spieler mit Redundanz und vielen Abzweigungen bauen. Dann muss er hoffen, dass die Züge das schon selber regeln. Mehrfach hab ich aber einen kompletten Verkehrskollaps erzeugt, den ich nur durch das Löschen einer Bahn beheben konnte. Neue Abzweigungen können nämlich nicht an gerade befahrene Abschnitte gelegt werden.

Von dem Gleis-Chaos abgesehen, ist es aber wirklich ein gelungenes Spiel. Die Musik hängt mir immer noch in den Ohren und bei Zeiten werde ich mich im freien Spiel austoben.

Railroad Corporation wurde uns von Iceberg Interactive zum Testen zur Verfügung gestellt.

Artikelbild und Screenshots: Iceberg Interactive, Corbie Games

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Über Lukas Kochniss

Ich verbringe viele Stunden zockend am PC. Aus dem reinen Spielen entstand mit der Zeit auch eine Leidenschaft über das Gespielte zu schreiben und so habe ich mit Chris zusammen int.ent news gestartet. Ich bevorzuge CoOp Spiele und klassische RPGs mit guter Story. Multiplayer wie CS:GO mag ich dagegen weniger.

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