Kingdom Come: Deliverance | Review

Kingdom Come: Deliverance | Review

Kingdom Come: Deliverance ist ein Mittelalter-Rollenspiel von Warhorse Studios. Das Spiel wurde 2014 als Kickstarter Projekt ins Leben gerufen und feierte am 13. Februar 2018 seinen Release.

Die Story

Der Schmiedesohn Heinrich wohnt bei seinen Eltern in dem böhmischen Dorf Skalitz und hat ein schönes, aber langweiliges Leben. Er träumt von Abenteuern und trainiert heimlich im Schwertkampf. Doch eines Tages wird Skalitz überfallen. Seine Eltern sterben durch die Angreifer und Heinrich entkommt nur knapp in das nahe gelegene Talmberg.

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Skalitz wird angegriffen

Doch statt wie von seinem Lehnsherren verlangt dort zu verweilen, schleicht er sich zurück nach Skalitz, um seine Eltern zu beerdigen. Dabei wird er schwer verwundet. Nach der Genesung meldet er sich bei seinem Lehnsherren Radzig Kobyla, der ihn in seinen Dienst aufnimmt.

Nun muss Heinrich eine Verschwörung aufdecken, die als einfacher Angriff auf ein Gestüt gestartet hat.

Das Inventar

Alle Gegenstände, die Heinrich ausgerüstet hat oder mit sich rumschleppt, liegen in seinem Inventar und haben ein Gewicht. Er hat nur eine begrenzte Traglast. Überschreitet Heinrich diesen Wert, kann er nicht mehr laufen oder springen. Je weiter er die maximale Traglast überschreitet, desto langsamer wird er. Sobald Heinrich überladen ist, kann er auch keine Schnellreise mehr nutzen und Heinrich muss zu Fuß oder per Pferd reisen. Die maximale Traglast verbessert sich mit der Zeit, jedoch auch das Gewicht der eigenen Rüstung.

Heinrichs Ausrüstung

Dem Spieler stehen insgesamt 20 Ausrüstungsslots zur Verfügung. Dazu gehören Schwert, Schild, Helm und Rüstung, aber auch Stoffhaube, Kettenhaube, Gambeson oder ein Wappenrock.

Ob der Spieler nun einen komplett ausgerüsteten und vollgepanzerten Ritter spielt, oder eine leichtere Version ohne Kürass nutzt, kann der Spieler frei entscheiden. Wichtig ist, dass die Art der Ausrüstung eine Auswirkung auf die Wahrnehmung anderer auf Heinrich hat.

So ist beispielsweise das Schleichen in schwerer Rüstung nicht so einfach, da die Rüstung klappert. Dunkle Gegenstände, wie ein schwarzer Wappenrock, helfen in der Natur nicht so schnell erkannt zu werden, sorgen aber bei Dorfbewohnern für Skepsis.

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Heinrichs Inventar und Ausrüstung

Die Ausrüstung geht mit der Zeit durch Benutzung oder durch Kämpfe kaputt. Rüstungen und Waffen kann Heinrich bei der Schmiede reparieren, Kleidung beim Schneider und Schuhe beim Schuster. Für nur leicht beschädigte Gegenstände, mit Ausnahme der Schuhe, gibt es zudem Reparaturkits, die man beim Schmied und Schneider kaufen kann.

Auf der einen Seite finde ich es gut, dass die Ausrüstung durch die Nutzung kaputt geht, doch andererseits verbringt man entweder investiert man sehr viel Zeit und Geld in die Reparatur, oder man hat kaputte Ausrüstung, die weniger Schaden abhält. Wenn man die Ausrüstung unter 50 Punkte Haltbarkeit hat fallen lassen, kann für Rüstungen und Waffen auch nur noch der Schmied in Rattay zu rate gezogen werden, da die Dorfschmiede mit der Ausbesserung überfordert sind. Damit verbringt man sehr viel Zeit auf der Reise nach Rattay zum Schmied.

Werte, Kampf und Fähigkeiten

Heinrich verfügt über verschiedene Attribute, die sich durch ihre Nutzung verbessern. Die Attribute sind aufgeteilt in Werte, Kampf und Fähigkeiten. Durch die Verbesserung eines Attributs werden neue Verbesserungen freigeschaltet.

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Heinrichs Werte

Zu den Werten gehören Stärke, Agilität und Vitalität. Auch die Hauptstufe von Heinrich ist hier aufgeführt. Werte sind die grundlegendsten Attribute von Heinrich und bestimmen, welche Gegenstände er benutzen kann, wie lange er laufen kann oder wie überzeugend er argumentieren kann.

Die Kampf-Attribute bestimmen Heinrichs Erfahrung mit Schwert, Streitkolben, Bogen sowie seine Können in der Verteidigung. Durch die Verbesserung einer Waffengattung kann er neue Angriffs-Kombinationen erlernen.

Unter den Fähigkeiten verstecken sich alle weiteren Attribute wie Alchemie, Kräuterkunde, Reiten oder Reparieren. Gerade Kräuterkunde ist am Anfang eine wichtige Fähigkeit. Zuerst kann man nur einzelne Pflanzen aufnehmen, mit der Zeit kann man dann jedoch ein riesiges Feld auf einmal pflücken und durch eine erlernbare Verbesserung steigert Kräutersammeln dann auch den Stärke-Wert.

Nebenaufgaben

Heinrich findet mit der Zeit Auftraggeber, die seine Hilfe bei den unterschiedlichsten Sachen brauchen oder kann bei Schenken den Wirt nach möglichen Aufgaben fragen. Sehr wichtig zu wissen ist, dass die Aufgaben teils zeitlich limitiert sind, so sie einmal angenommen wurden. Nicht jeder Auftraggeber weist einen auf diesen Zeitengpass hin und dadurch scheitern Nebenaufgaben, wenn man sie hortet.

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Nebenquests müssen nicht immer ernst sein

Darüber hinaus sind die Aufgaben aber sehr interessant und man muss ab und an auch stark knobeln. Es gibt für einige Aufgaben auch mehr als ein Ende, manchmal abhängig vom rhetorischem Talent, manchmal einfach anhand der eigenen Entscheidungen.

Reiten

Heinrich bekommt nach einiger Zeit ein Pferd und kann in den verschiedenen Gestüten Pferde kaufen. Pferde haben ein eigenes Inventar und bieten somit eine Erleichterung für Heinrichs Traglast. Pferde unterscheiden sich in ihrer Ausdauer, Geschwindigkeit, Traglast und ihrem Mut. Durch höheren Mut wirft einen ein Pferd nicht so schnell bei Gefahren ab.

Kleiner Fun Fact am Rande: In den Stallungen kann man auch Epona und Plötze kaufen.

Schnellreise

Sobald der Spieler wichtige Punkte gefunden hat, kann er zu diesen per Schnellreise reisen. Anstatt jedoch sofort dort aufzutachen, wie man es von den meisten Spielen mit Schnellreisesystem kennt, nimmt Heinrich die Straße zu dem ausgewählten Punkt. Auf dem Weg können jedoch Banditen lauern und ihn in einen Hinterhalt locken. Damit ist Schnellreise zwar schneller, aber nicht ganz ungefährlich.

Essen und Schlaf, die Notwendigkeiten des Lebens

Heinrich braucht immer wieder Schlaf und eine ordentliche Mahlzeit. Isst er zu wenig, knurrt sein Magen und einige Werte reduzieren sich. Schläft Heinrich zu wenig, flackern seine Augen und es kann sogar zu Sekundenschlaf kommen. Um nicht zu verhungern, kann Heinrich einerseits an einen der vielen Kochtöpfen seinen Hunger stillen oder Essen aus dem Inventar nutzen. Dieses kann jedoch mit der Zeit verderben und ihm eine Lebensmittelvergiftung einbringen.

Um genug Schlaf zu bekommen, muss Heinrich sich einfach schlafen legen. Er bekommt mit der Zeit Betten in den verschiedenen Dörfern zugewiesen, in denen er umsonst schlafen darf oder kann Betten in Wirtshäusern mieten.

Kämpfe

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Heinrich wird häufig in Kämpfe verstrickt und muss sich dann mit dem Schwert beweisen. Das Spiel verfügt über eine Fünfstern-Angriffsmuster: Angriff von oben links, oben rechts, unten links, oben rechts, zum Kopf und Stich. Um einen Gegner erfolgreich zu treffen muss aus den verschiedenen Richtungen in zufälligen Mustern angegriffen werden, um den Gegner aus der Verteidigung zu locken.

Doch jeder Schlag und jede Verteidigung verbraucht Ausdauer und sollte man nicht aufpassen, steht man atemlos vor dem Gegner und kassiert Prügel. Angriffe können ausgewichen, geblockt oder parriert werden. Durch eine Parade kann der Verteidiger selbst einen Angriff starten und in die offene Seite seines Gegenüber schlagen.


Neben den Nahkampfwaffen gibt es aber auch Bögen. Wenn man in größere Gegnergruppen läuft, trifft man nicht selten auch auf Bogenschützen. Während Heinrich zwei oder drei Banditen umkreisen und aus allen Richtungen angreifen, stehen weitere Kämpfer mit Bogen im Hintergrund und verhindern eine Flucht.

Andererseits kann auch Heinrich mit dem Bogen viel Schaden anrichten. Eine leicht gepanzerte Einheit kann er mit ein oder zwei gezielten Schüssen ausschalten und selbst ein gut gepanzerter Krieger geht nach einigen Pfeilen zu Boden.

Grafik

Die Spielgrafik ist atemberaubend und ich habe sehr viel Spaß gehabt Screenshots von allen schönen Ecken zu machen. Über das Menü kann die Grafik sehr fein eingestellt werden und somit beispielsweise die Vegetations-Distanz reduziert werden, so der PC der Aufgabe nicht gewachsen ist. Je nach Einstellung kann es aber zu Darstellungsproblemen kommen. Eine zu niedrige Distanz für NPCs sorgt dafür, dass in der Distanz immer nur die selben fünf Charaktere zu sehen sind und erst auf nächster Nähe Gesicht, Kleidung und Frisur geändert werden. Das ist zwar ressourcensparend für den PC, aber nicht sehr schön anzusehen.

Bugs

Das Spiel ist trotz Release und jetzt über einem Monat Patches noch nicht frei von Bugs. Zum Release gab es einige Probleme mit der deutschen Synchronisation, die mitunter einfach aussetzte. In der Stadt Rattay konnte man manche Treppen nur durch Dauerspringen erklimmen und eine Nebenaufgabe, für die man Vögel einfangen muss, ist unmöglich. Die frischen HD-DLCs sorgen bei mir leider dazu, dass ich überhaupt keine Sprache mehr habe. Darüber hinaus sind mir aber noch keine kritischen Fehler aufgefallen.

Ein Ärgernis, dass ich wirklich als Bug betrachte: Man muss das Spiel auf die SSD legen, da sonst die Ladezeiten nicht vertretbar sind. Nach über 60 Spielstunden nimmt die Ladegeschwindigkeit aber wieder rapide ab.

Zusammenfassung zu Kingdom Come: Deliverance

Kingdom Come: Deliverance ist ein schönes Spiel, in das man viel Zeit stecken kann. Die Story ist sehr spannend und führt einen zu Beginn in alle wichtigen Mechaniken ein. Die Nebenaufgaben sind abwechslungsreich und durch die häufigen Zeitlimits auch bedeutend zügiger durchgespielt, als wenn man erst alle Aufgaben einsammelt und dann nach Lust und Laune abschließt. Die Zahl der Werte und Fähigkeiten ist noch überschaubar und somit für mich im richtigen Maß zwischen Komplexität und einer unübersichtlichen Masse an Möglichkeiten.

Die Kämpfe sind sehr schwer und wenn man gerade den Trick raus hat, wie man einzelne Banditen umlegt, werden die Panzerungen häufiger und die Truppen größer. Nicht selten habe ich zum Bogen, der stärksten Waffe im Spiel, gegriffen. Doch ein häufiger Einsatz des Bogens als Nahkampfwaffe ist sehr ermüdend und langweilig und letztendlich habe ich doch die meiste Zeit mit zwei oder drei Gegnern im Schwertkampf gefochten.

Die Notwendigkeit von Essen und Schlaf ist anfangs etwas nervig und ungewöhnlich. Mit der Zeit wird es aber Teil des Spielerhythmus und fällt kaum mehr auf. Zudem ist es sehr unterhaltsam, wenn Heinrich beim Reiten die Augen zufallen und man den nächsten Abhang runterreitet.

Insgesamt kann ich Kingdom Come: Deliverance jedem empfehlen, der Lust auf ein Mittelalter-Rollenspiel ohne Magie hat und gerne viele Stunden in ein einziges Spiel investieren möchte.

Getestet wurde Kingdom Come: Deliverance in der Version 1.1 bis 1.4 (13.02.2018 bis 05.04.2018) auf dem PC.

Tolles Mittelalter-Rollenspiel auch ohne Fantasy

Die Story - 100%
Das Inventar & Heinrichs Ausrüstung - 90%
Werte, Kampf und Fähigkeiten - 90%
Nebenaufgaben - 95%
Reiten - 80%
Schnellreise - 90%
Essen und Schlaf, die Notwendigkeiten des Lebens - 80%
Kämpfe - 90%
Grafik - 90%
Bugs - 85%

89%

Kingdom Come: Deliverance ist grade am Anfang sehr schwer und komplex. Das fehlen von Magie und anderen Fantasy-Elementen macht für mich den Charme des Spiels aus, ich kann mir aber vorstellen, dass nicht jeder an einem reinen Mittelalter-Rollenspiel Spaß haben wird.

Über Lukas Kochniss

Ich bin schon seit vielen Jahren begnadeter PC Spieler und habe ungezählte Stunden zockend verbracht. Irgendwann ist aus dem reinen zocken die Interesse entstanden auch über Games zu schreiben und daraus entstand KochnissCode. Nach etwa einem Jahr KochnissCode habe ich dann mit Chris zusammen int.ent news gestartet, um unsere Interessen und Schreibkraft zu bündeln.

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