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Review: Tyranny

In Tyranny ist der Kampf zwischen Gut und Böse schon längst entschieden – das Böse gewinnt. Die Streitkräfte des bösen Oberaufsehers Kyros sind gespalten und gleichzeitig greifen täglich die Rebellen an, um die Macht des Landes an sich zu reißen. Und genau hier kommt der Schicksalsbinder ins Spiel, über den die Spieler die Kontrolle übernehmen und versuchen die Rangeleien zu schlichten – und im Namen von Kyros zu handeln. Aber kann das Rollenspiel-Konzept überzeugen?

Tyranny ist ein Rollenspiel-Abenteuer von Obsidian Entertainment und Paradox Interactive. Auf der Suche nach der Schlacht zwischen Gut und Böse versucht der Oberaufseher Kyros auch die letzten widerspenstigen Gegner für sich zu gewinnen und sieht den Spieler als Schicksalsbinder in der Lage diese Aufgabe zu übernehmen. Tyranny erschien am 10. November 2016 für Steam via PC und ist eine Hommage an bekannte Rollenspiel-Abenteuer wie Baldur’s Gate oder Neverwinter Nights.

Die Qual der Klassenwahl?

Der Schicksalbinder ist nicht an klassische Rollenverteilungen gebunden. Dies zeigt sich bereits bei der Charaktererstellung. Denn hier hat der Spieler nicht die typische Wahl zwischen Pfeil und Bogen, Schwert oder reine Magie, sondern kann diese Typen miteinander vermischen. Der Charakter verfügt beispielsweise als schwertschwingender Barbar gleichzeitig über die Macht von Arkan- und Eiszaubern. Im Spiel ist es prinzipiell einerlei, was zuvor ausgewählt wurde, denn bis auf die Fertigkeiten können jederzeit alle Waffen ausgewählt werden, die der Schicksalsbinder so unterwegs findet. Ob diese für die jeweiligen Fertigkeiten sinnvoll sind, das darf der Spieler also selbst entscheiden.

Bevor jedoch der Spieler in die große Welt hinausgelassen wird, kann er die Situation selbst beeinflussen. Nachdem also der Charakter erstellt wurde, gibt es eine Möglichkeit die Vorgeschichte zu Tyranny selbst zu beschreiben und zu sagen, welche Armeen von Kyros nun welche Aufgabe übernommen hat. Jederzeit steht der Schicksalsbinder dabei zwischen den Fronten der zwei Hauptarmeen von Kyros. Deswegen sollte bereits vorher gut überlegt werden, wem nun die Kontrolle über welches Gebiet gegeben werden sollte.

Für wen dies bereits nichts ist, der wird mit Tyranny allerdings nicht glücklich. Schließlich besteht Tyranny aus zahlreichen Textpassagen, die zwar teils synchronisiert sind, jedoch ist die meiste Zeit zwingend Lesen erforderlich. Um das Spiel aber besser zu verstehen, bietet das Rollenspiel-Abenteuer eine Verschlagwortung an. Bestimmte Begriffe werden via Mouse-Over auch nach hundert Dialogen nochmals erklärt.

Entscheidungen, die Leben kosten

Nachdem also die Geschichte angelaufen ist, hat der Schicksalsbinder zum einen den barbarischen und kämpferischen Scharlachroten Orden und zum anderen den disziplinierten und ausgebildeten Geschmähten vor sich. Im ersten Akt dreht sich praktisch alles um diese beiden Parteien. Der Schicksalsbinder sieht sich in der Position sich entweder für eine Partei zu entscheiden oder zu versuchen die Situation zwischen den angespannten Verhältnissen zu schlichten. Die Fantasy-Welt Terratus soll vom Herrscher Kyros komplett unter Kontrolle gebracht werden, wobei sich seinen beiden Armeen immer wieder Aufstände von Rebellen entgegenstellen.

Leicht sind die Konservationen jedoch nicht immer zu bewältigen. Bei dem Scharlachroten Orden beißt sich der Spieler gerne mal einen Zahn aus, bis dieser mit Wohlwollen entgegenkommt. Einige Optionen sind aber auch abhängig von den Fertigkeitspunkten, die zu Beginn verteilt wurden. Ist der Charakter also listig, hat er in einigen Punkten auch entsprechende Antworten parat und kann diese im Dialog nutzen. Es gilt aber immer abzuwägen, ob die Antwort gerade passend ist und der Schicksalbinder seinem Gegenüber freundlich, gleichgültig oder gar feindselig ist. Häufig sind Antworten für den Scharlachroten Orden als Gewaltanwendung positiv, wohingegen die Geschmähten dem eher kritisch und mit Furch gegenüber stehen.

Wer also nicht konkret bei einer Antwort bleibt, der wird häufig bestraft. Entweder fährt er Furcht beim Gegner ein oder dem Schicksalsbinder wird Respekt gegenüber gezollt. Dies findet sich auch in einer anschaulichen Menüübersicht wieder. Dort sieht der Spieler nämlich, wie wohlgesonnen die Heere, Verbündete und auch die eigenen Partymitglieder sind.

Zauber zum Selbermachen und pausierbare Echtzeit-Kämpfe

In Tyranny spielen sich die Kämpfe in Echtzeit ab. Die Ansicht ist aus der Vogelperspektive und Spieler haben eine aktive Gruppe aus vier Charakteren. Dabei hat der Spieler im Verlauf des Spiels die Auswahl auf unterschiedliche Gefährten. Ob nun mit Schwert und Schild, zwei Dolchen oder einem Speer ausgestattet – mit dabei sind alle Typen von Charakteren. Es dauert jedoch erstmal einige Spielstunden, bis der Spieler eine Party aus vier Charakteren zusammen hat. Später können die aktiven Mitglieder über das Karten-Menü ausgetauscht werden.

In den Kämpfen selbst sind die Gegner ebenfalls gut ausgestattet und lassen einen selten die Oberhand. Im Fertigkeitenbaum können entsprechende Fertigkeiten und Fähigkeiten bei Levelaufstieg verteilt werden. Diese machen sich dann im Kampf bemerkbar. Abgesehen von anfänglichen Zaubern können im Spielverlauf Schriftrollen gefunden werden. Diese lassen sich kombinieren mit anderen Schriftrollen. Wo zuerst die Basis, wie etwa Frost oder Arkan ausgewählt wird, wird als nächster Schritt entschieden, ob es einen kegelförmigen, einen punktuellen oder gar flächendeckenden Bereich gibt. Im letzten Schritt können nun zusätzliche Fähigkeiten dem Zauber hinzugefügt werden, wie etwa Frostdauer oder Reichweite des Zaubers. Damit lassen sich zahlreiche Kombinationen entwickeln, die auf die Charaktere verteilt werden können. Dennoch muss ein gewisser Wissenswert in den Attributen erreicht sein, um stärkere Zauber im Kampf wirken zu können.

Die Gefährten verfügen jeweils Komboattacken, der mit dem Schicksalsbinder einmalig pro Kampf angewendet werden kann. Starke Kombos können nur beim Rasten wieder aufgeladen werden. Diese Kombis lassen sich durch Loyalität gegenüber den Partymitgliedern sogar freischalten. Durch Gespräche mit den Gefährten finden sich auch neue Fertigkeiten – sowohl in positiver wie auch in negativer Richtung.

Fazit zu Tyranny

Tyranny ist ein rundum schönes und spannendes Rollenspiel-Abenteuer. Der Schicksalsbinder hat es nicht leicht die Armeen des Bösen für sich zu gewinnen. Dies macht es für den Spieler ebenfalls nicht leicht eine passende Entscheidung zu fällen, welche Armee er nun bevorzugen soll. Durch die Entscheidungen, die auch wirklich spürbar sind, hat Tyranny auf jeden Fall einen Wiederspielwert, um zu erfahren, welche Konsequenzen nun andere Entscheidungen genommen hätten. Die Dialoge in Tyranny machen daher den größten Mehrwert aus.

Dass sich Zauber nun selbst herstellen lassen und die Gefährten mit dem Schicksalsbinder gemeinsam Komboattacken haben, macht die Kämpfe durchaus etwas interessanter. Die freundliche sowie auch die gegnerische KI lassen den Spieler nicht alleine da stehen, sondern bewegen sich im Kampf durchaus sinnvoll und nachvollziehbar. Schade nur, dass die Umgebungen ein wenig eintönig sind und die Sprachausgabe nicht mehr hergegeben hat. Im Großen und Ganzen überzeugt Tyranny aber von vorne bis hinten mit seiner Präsentation als Rollenspiel-Abenteuer und bereitet zweistellige Stunden Spielspaß.

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Über Chris Heinen

Hey, ich bin Chris und studiere derzeit Technikjournalismus/PR in Sankt Augustin. Interessiert bin ich an journalistischen Themen schon seitdem ich redaktionelle Erfahrungen sammeln konnte in der Games-Branche. Mit Games-relevanten Themen schreibe ich gemeinsam mit Lukas auf int.ent news.

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